Petition: Für den Erhalt der artenreichen Natur im windarmen Rammert! Nein zu falsch verstandenem Klimaschutz!
Unmittelbar betroffene Anwohnerinnen und Anwohner aus Bühl, Hirschau, Kilchberg, Kreßbach und Weilheim haben eine Petition zum geplanten Windpark Rammert (VRG TÜ-01) ins Leben gerufen. Unter dem Leitsatz „Für den Erhalt der artenreichen Natur im windarmen Rammert – Nein zu falsch verstandenem Klimaschutz“ fordern sie eine sorgfältige Abwägung zwischen Naturschutz, Klimaschutz und Bürgerbeteiligung.
Unterstützen auch Sie unsere Petition für den Erhalt der artenreichen Natur im Rammert.
Setzen Sie gemeinsam mit uns ein Zeichen für transparente Planung, echte Bürgerbeteiligung und einen verantwortungsvollen Umgang mit Natur- und Klimaschutz.
Hier geht es zur Petition: LINK ZUR PETITION AUF OPENPETITION.DE
Jede Stimme zählt. Mit Ihrer Unterschrift helfen Sie, unsere Anliegen sichtbar zu machen und eine fundierte öffentliche Diskussion zu fördern.
Im folgenden Fragen-und-Antworten-Bereich haben wir wesentliche Fragen und Antworten zu unserer Petition zusammengefasst.
Q: Aber wir brauchen doch den Strom aus Windkraft, oder?
A: Die Energiegewinnung aus Windkraft ist ein elementarer Baustein beim Ausbau der erneuerbaren Energien. Sie ist aber nur dort sinnvoll, wo es auch ausreichend Wind gibt. Der Rammert ist, selbst für süddeutsche Verhältnisse, wie im Übrigen das komplette Neckartal, äußerst windschwach. Ein Windparkprojekt wurde dort bereits vor rund 10 Jahren angedacht und wegen zu geringem Wind verworfen. An dieser sog. Windhöffigkeit hat sich nichts geändert. Die neue Generation von Windenergieanlagen (WEA) ist nun höher (Nabenhöhe 175m) und somit auch viel teurer. Würde man ein solches WEA in ein windreicheres Gebiet stellen, könnte man deutlich mehr Strom damit erzeugen und somit einen höheren Beitrag zur Bekämpfung des Klimawandels und zur Energiewende erreichen. Bei gleichen Investitionskosten. OB Palmer schrieb einen Artikel in der Zeitung „WELT“, wo er den vernünftigen Umgang mit Investitionen bei erneuerbaren Energien (EE) anmahnt. Er fordert dort für jeden investierten Euro eine hohe CO2 Einsparung, also einen maximalen Stromertrag. Das widerspricht einem WEA im Schwachwindgebiet.
Q: Aber wir müssen doch unseren Strom in Tübingen von hier abdecken, oder?
A: Die deutschen Stromnetze sind eng verwoben. Strom, der auf einem Gebiet erzeugt wird, fließt ins allgemeine Stromnetz. Die Stadtwerke Tübingen (swt) liefern ihren Strom schon heute zu einem hohen Anteil aus klimaneutralen, erneuerbaren Energien – was sehr gut ist. Die swt sind im Preisvergleich am Strommarkt aber schon bislang nicht sehr wettbewerbsfähig. Man erkennt das sehr einfach durch Nutzung von Vergleichsportalen für seinen eigenen Haushalt. Ein aktuelles Beispiel: bei 3000 kWh Jahresverbrauch liegen die swt mit ihrem Tarif „TüStromNaturBasis“ bei ca. 1.295 € pro Jahr, während einige andere Anbieter Grünstrom-Tarife für rund 690 € anbieten können. Ein Windpark in einem windschwachen Gebiet wie dem Rammert widerspricht der Forderung nach effizienter und effektiver Stromerzeugung und würde die Wettbewerbsfähigkeit vermutlich nicht verbessern. (Stand: 09.12.2025)
Q: Wir müssen das Klima schützen und daher überall erneuerbare Energien ausbauen, oder?
A: Klimaschutz ist wichtig, daran besteht überhaupt kein Zweifel. Darum wird in Deutschland und Baden-Württemberg sehr viel dafür getan. Der Ausbau von Erneuerbaren Energien und insbesondere auch die Errichtung von Windenergieanlagen (WEA) darf aber nicht in unverhältnismäßiger Weise zu Lasten des Natur- und Artenschutzes gehen. Die Zerstörung des Waldes muss so gering wie möglich sein. Der Rammert ist ein Klimaschutzwald, er ist ein großer CO2-Speicher und für das lokale Klima sehr wichtig. Insbesondere im Sommer sind die Frischluftschneisen in Richtung der Innenstadt Tübingens sehr wichtig, um für natürliche Kühlung zu sorgen und so die Gesundheit der Menschen positiv zu beeinflussen. Auch Starkregen und andere extreme Wetterereignisse können von einem gesunden und intakten Wald abgemildert werden. Entsprechend hat Herr Palmer noch vor wenigen Monaten bei Markus Lanz die Grünflächen im Tübinger Raum als wichtigen Baustein bei der Bekämpfung der Auswirkungen der Klimaerwärmung für Tübingen genannt.
Ebenso müssen schützenswerte Tierarten erhalten werden, um die Biodiversitätskrise nicht noch weiter zu beschleunigen. Wenn wir das Artensterben aktiv in Kauf nehmen, wird es auch für den Menschen irgendwann keine Lebensgrundlage mehr geben. Im Rammert gibt es eine Vielzahl an streng geschützten Tieren (Vögel, Fledermäuse, Lurche, Unken), die durch den Windpark sehr sicher negativ – bis zur vollständigen Vergrämung – belastet werden. Hinzu kommt, dass die Effekte in beide Richtungen gehen: um die Tierarten etwas stärker zu schützen, ist davon auszugehen, dass die WEA teilweise abgeschaltet werden müssen. Damit wird die mögliche Stromerzeugung noch geringer.
In der Gesamtbetrachtung ist der zu erwartende, relativ geringe Stromertrag aus dem geplanten Windpark im Rammert unseres Erachtens daher nicht in Balance mit den schwerwiegenden ökologischen Folgen, die der Bau von 13 WEA zur Folge hätte.
Q: Wie ist das Thema des Lärms bei Windenergieanlagen (WEA) zu bewerten?
A: WEA erzeugen unterschiedlichen Lärm, einerseits das periodische sogenannte „Wusch“-Geräusch der Flügel beim Vorbeistreichen am Mast, andererseits je nach Anlagentyp Lärm ausgehend vom Nabenbereich, welcher je nach Energieübertragungsausführung ganz unterschiedliche Qualitäten aufweist. vom Brummen bis zu Heulgeräuschen. Es gibt daher zum Schutz der Anwohner Lärmschutzrichtwerte. Im Vorfeld ist die tatsächliche Lärmbelastung allerdings sehr schwierig zu berechnen, da viele verschiedene Faktoren eine Rolle spielen: die Abstände zur Wohnbebauung, lärmschluckende Elemente (Bäume, Häuser), die Topographie der Landschaft und einiges mehr. Lärmgutachten sind daher sehr komplex und teuer. Leider liefern sie auch nicht immer verlässliche Ergebnisse, wie die Realität zeigt. So das Beispiel des Ortes Baiereck bei Göppingen: Dort wurde ein Windpark mit 2 WEA nach Erstellung eines Lärmgutachtens genehmigt, in der Realität können nun 40% der Einwohner nicht mehr richtig schlafen, wenn die WEA nachts in Betrieb sind. Viele Betroffene ziehen mittlerweile sogar einen Wegzug in Betracht. Die im Windpark Rammert geplanten 13 WEA sind zwar andere Modelle, laut Herstellerangaben sind sie aber mit etwa 107 dB(A) an der Nabe sogar lauter als der jetzige Anlagentyp bei Baiereck. Die ersten Windräder dieses neuen Typs werden aktuell in Magolsheim bei Münsingen in Betrieb genommen. Jeder kann sich im nahegelegenen Buchtal bereits einen Hör-Eindruck dazu verschaffen, sofern genügend Wind weht. Letztendlichsind ausreichende und großzügige Abstände zur Wohnbebauung besonders wichtig. Die Stadtwerke planen teilweise nicht einmal mit 1.000 m Abstand für einzelne WEA. Das ist definitiv zu wenig.
Q: Die Vögel und Fledermäuse können doch durch moderne Erkennungs- und Abschaltvorrichtungen geschützt werden, oder?
A: Ja, moderne Schutzsysteme reduzieren das Risiko deutlich – aber sie ersetzen keinen guten Standort und keine ökologische Planung.
Warum das Problem damit nicht völlig gelöst ist:
1) Technische Systeme sind nie perfekt: KI-Kameras können kleine Vögel schlecht erkennen. Starker Regen, Nebel, Schnee senken die Erkennungsqualität.
2) Zugvögel und Massenbewegungen: Bei vielen Individuen gleichzeitig ist das System überfordert, oder es müsste dauerhaft abgeschaltet werden.
3) Fledermäuse: schwer vorhersehbar. Wandernde Fledermausarten oder solche, die hoch fliegen, sind schwer zu erfassen. Abschaltkriterien sind oft pauschal und schützen nicht alle Arten gleichermaßen.
4) Standortwahl bleibt entscheidend. Selbst das beste Schutzsystem hilft wenig, wenn die Anlage im Kernlebensraum gefährdeter Arten steht (Horstgebiete, Fledermausjagdrouten, Feuchtgebiete). Die Systeme kosten allerdings etwa 300.000 € pro Windkraftanlage und die Abschaltung führt natürlich zu erneuter geringerer Wirtschaftlichkeit.
Quelle: „Ein wirtschaftlicher und verhältnismäßiger Einsatz der Systeme ist für die meisten Windparks (insbesondere in Mittel- und Süddeutschland) nicht zumutbar, also nicht möglich.“
Q: Ist es nicht in Zeiten von knappen Kassen wichtig, dass die Stadt Tübingen durch die Windkraft viel Geld einnimmt?
A: Durch die Subventionen des Bundes aus Steuermitteln oder aus den Einnahmen der Stromverbraucher könnten die Windenergieanlagen (WEA) im windarmen Rammert eventuell wirtschaftlich sein, sprich einen finanziellen Überschuss erzeugen. Es ist jedoch so, dass dieselben WEA an einem besser geeigneten Standort, mit mehr Wind, sehr viel effizienter wären, da sie dort mehr Strom erzeugen würden. Im Rammert wird dazu noch sehr wahrscheinlich eine regelmäßige Abschaltung der WEA erforderlich werden, um die Vorschriften zum Lärmschutz einzuhalten und den Schutz von Vögeln und Fledermäusen zu gewährleisten. Dies wird den Ertrag voraussichtlich weiter schmälern.
Dauerhafte (gut 20 Jahre) Subventionen aus dem Bundeshaushalt für ein windschwaches Gebiet wie den Rammert in Anspruch zu nehmen, würde zudem übergeordnete Haushalte wohl über die gesamte Laufzeit der WEA auf unsolidarische Weise belasten. Insgesamt erhöht sich dadurch die Gesamtbelastung für alle Steuerzahler.
Q: Können wir durch Windkraft und Photovoltaik die Energieerzeugung in Deutschland sichern?
A: Leider nicht ausschließlich, denn es gibt phasenweise Dunkelflauten (Tage oder gar Wochen), in denen es keinen oder zu wenig Wind und zu wenig Sonnenenergie gibt. Dies kommt häufig in der kalten und dunklen Jahreszeit vor, in der besonders viel Energie gebraucht wird. Hinzukommt, dass die Energiespeicherung derzeit noch ein großes Problem darstellt; aktuell wird von der EnBW bei Philippsburg einer der größten Batteriespeicher Deutschlands mit geplanter Kapazität von 800 Megawattstunden gebaut: Für deutlich über 100 Mio. Euro können 100.000 Haushalte einen Tag mit Strom versorgt werden, was aber bei wind- und sonnenarmen Zeiten nicht ausreicht. Wir haben also derzeit noch beachtliche Lücken in der Stromversorgung aus Wind- und Sonnenenergie. Darum plant die jetzige Regierung, wie auch schon die Ampelregierung, zusätzlich rund 20 Gaskraftwerke zu bauen. Diese sollen insbesondere im industriestarken Süddeutschland errichtet werden. Die Gasverstromung ist leider sehr teuer, z.B. mit Flüssiggas aus den USA. Aktuell werden in Deutschland zudem noch einige Kohlekraftwerke betrieben, deren CO2 Bilanz noch schlechter ist.
Q: Für die Windenergieanlage (WEA) wird doch aber nicht der ganze Wald abgeholzt, sondern nur ein kleiner Teil. Ist das nicht vertretbar?
A: Für die WEA selbst werden durchschnittlich 0,5 Hektar pro Anlage abgeholzt. Dazu kommen Abholzungen für die Baustelle rund um jeden einzelnen Standort in der Größenordnung von einem weiteren Hektar, sowie Anfahrwege, um per Schwertransporter die riesigen Rotoren an ihren Bestimmungsort zu bringen und die spätere Wartung sicher zu stellen. Selbst wenn bereits Waldwege vorhanden sind, müssen diese verbreitert und verdichtet werden. Die Schneisen, die für die WEA-Flächen in den Wald geschlagen werden müssen, führen dazu, dass der Waldboden an diesen Stellen verstärkt Wind- und Sonneneinstrahlung ausgesetzt ist und auszutrocknen droht. Für Tiere, die dichte Wälder bevorzugen, können selbst Schneisen einen Habitatverlust zur Folge haben. Die Fragmentierung erschwert zusätzlich die Bewegung und Ausbreitung vieler Arten, darunter z.B. auch verschiedene Käferarten.
Bei einem Windpark mit 13 WEA, die oft mit nur 500 m Abstand voneinander geplant sind, ist daher davon auszugehen, dass diese Maßnahmen das Gesamtsystem Wald nachhaltig schädigen, auch wenn rundherum Wald stehen bleibt.
Q: Aber wir müssen doch erneuerbare Energie gleichmäßig im Land verteilen, überall dort wo der Strom gebraucht wird, oder?
A: Mit Windenergieanlagen (WEA) wird wie bei Photovoltaik (PV) eine dezentrale Energieerzeugung erreicht. PV-Anlagen werden sinnigerweise dort verbaut, wo die Sonneneinstrahlung optimal ist, d.h. in Süd-West Ausrichtung; wenn es sich vermeiden lässt, setzt man keine PV-Anlage auf die Nordseite eines Daches. Genauso sollten wir es mit WEA machen: dort wo Wind weht! Der Bau von Leitungen über einige Kilometer kann nicht das Problem sein. Es braucht immer eine Zuleitung ins große Stromnetz – deshalb müssten die swt auch beim Rammertprojekt ein Umspannwerkwerk bauen. Wenn in kurzer Distanz viel mehr Wind weht, mehr Strom beim gleichen Investitionsvolumen (ca. 130 Mio. im Rammert) UND die negativen Auswirkungen auf den Menschen (Lärm) und die Natur (Artenschutz, Klimaschutzwald) deutlich geringer sind, ist es sinnvoll dort zu bauen. Insofern ist das vom RVNA politisch selbstauferlegte Ziel einer Gleichverteilung auf sog. „Teilräume“ innerhalb des RVNA nach unserer Auffassung gesetzlich nicht primär vorgesehen und würde dem Naturschutz und der bestmöglichen Energieerzeugung durch WEA widersprechen.